Lichte Stille 2017: Missa

Missa

Konzert mit Ausstellung

Christoph Schiller, Missa (2016)
für Sprecher, Vokalensemble, Gambe, Zuspielband

Kompostion: Christoph Schiller mit Elementen von Marei Seuthe und  G.P. da Palestrina
Text und Zuspielband: Christoph Schiller

Missa ist ein Stück über die Missa dies sanctificatus des Renaissance-Komponisten Giovanni Pierluigi da Palestrina aus dem Jahr 1594. Es ist ein Blick aus großer zeitlicher Distanz, mit den heutigen Mitteln der Komposition und Improvisation.

In der Musik Palestrinas erreicht die Polyphonie einen Höhepunkt: die verschiedenen Stimmen singen oder spielen ganz eigenständige Tonfolgen, wobei alle Stimmen gleichberechtigt nebeneinander herlaufen, es gibt keine hervorgehobene Melodie mit begleitenden Stimmen.

Christoph Schiller setzt dies um als Überlagerung klanglicher Ebenen: gesungene Töne, gesprochene Texte, aufgenommene Klänge, und als Verbindungsglied die Gambenstimme, die sich frei zwischen der Palestrina-Partitur und improvisiertem Material bewegt.

Die zeitliche Länge der Palestrina-Messe ist eine Grundlage des neuen Werks: Jeder der drei Teile der Missa hat dieselbe Dauer wie Palestrinas Komposition – Musiker und Zuhörer halten sich dreimal jeweils 20 Minuten lang in einem besonderen Klangraum auf. In der Musik sind diese Räume mit Klang-Objekten gefüllt, manche Objekte verdecken einander, oder verschwinden schneller als wir sie bewusst wahrnehmen können.

Ein anderer Bezug zu Palestrina ist die Behandlung des Textes: Wie in der Renaissance durchaus üblich, legt Palestrina gerade in dieser Messe unterschiedliche Textpassagen in den Stimmen übereinander, sodass der Text unmöglich verstanden werden konnte.

In Schillers Missa entstehen aus dem lateinischen Messtext fünf neue deutschsprachige Texte. Sie folgen der klanglichen Struktur des lateinischen Textes, ohne einen klar erkennbaren Sinn zu ergeben

Ein weiteres Grundelement ist die Tonalität: Grundlage der Renaissance-Komposition sind charakteristische Tonfolgen mit langen Notenwerten, diese sogenannten Soggetti geben dem kontrapunktischen Werk seine Struktur. Was Palestrina mit den Soggetti macht, macht Millefleur improvisierend mit den Tönen seiner Messe: sie bilden, nun als isolierte Einzeltöne, ein Feld, das einen Klangraum entstehen lässt. Doch obwohl die Töne der Messe nun vereinzelt sind, bleibt die Tonalität der kirchentonalen Skala Palestrinas erhalten.

Um das Thema Zeit in einer weiteren Art auszudeuten, werden die Musiker vor dem eigentlichen Konzert in 20 Minuten eine Ausstellung auf – und wieder abbauen. Dieser Teil ist gleichsam eine weitere, außermusikalische Variante der Grundlage der Komposition.

Links:
Ensemble Millefleurs: www.christophschiller.net/millefleurs.htm
Christoph Schiller: www.christophschiller.net
Marei Seuthe: www.mareiseuthe.de

 

Konzertplakat (pdf)