Dein ist der Tag…

… dein ist auch die Nacht

Stefan Scheidtweiler, Psalm-Kantate für Soli, Chor, Orgel, 3 Trompeten und Pauke (UA)
Alte und neue Chorwerke verknüpft durch Percussion-Einlagen

Die Kantate Dein ist der Tag, dein ist auch die Nacht von Stefan Scheidtweiler ist eine Auftragskomposition des Festivals Lichte Stille und steht damit im Mittelpunkt des Konzerts. Der Komponist, der mehr als neun Jahre lang Kirchenmusiker in Haan und Gruiten war, schreibt über sein Werk:

Thema der Kantate ist der Weg des Menschen vor Gott im Tageslauf.

Der feierliche Eröffnungschor Dein ist der Tag preist den Schöpfergott als den Herrn über die Zeit.

Der zweite Satz (Morgen) ist eine klassische Choralbearbeitung. Der oft morgens gesungene Choral „Lobet den Herren“ aus dem 17. Jahrhundert wird unverändert in langen Notenwerten von den Männerstimmen zitiert und von zwei freien und modernen Oberstimmen umspielt.

Das folgende Benedictus ist seit Jahrhunderten Bestandteil des kirchlichen Morgengebets, der Laudes. Das Stück beginnt leise in der Tiefe und steigert sich kontinuierlich, das Thema mit dem lateinischen Einleitungsvers des Benedictus wird dabei permanent wiederholt. Dabei erhöht sich mit jedem Durchlauf die Tonart um einen Ganzton, bis schließlich die Ausgangstonart wieder erreicht wird. An die Seite des Hauptthemas treten weitere Stimmen, denen der deutsche Text des Benedictus zugrunde liegt.

Die nächsten beiden Sätze widmen sich dem Tag. Geht unverzagt ans Werk beginnt mit einer kurzen Einleitung, auf die ein schneller polyphoner Satz über „Der Herr steht denen zur Seite, die das Gute tun“ folgt. Dieser Chor vereint viele traditionelle Elemente wie die Fuge oder typische Akkordfolgen mit moderner Rhythmik.

Auch beim Choral Alles meinem Gott zu Ehren werden viele Parameter traditionell belassen. Hier werden nicht die Rhythmen, sondern die Harmonien zeitgenössisch interpretiert. So war es folgerichtig, eine neue Strophe zu ergänzen, die die Glaubenssorgen und -zweifel unserer Zeit thematisiert.

Der Abend ist das Thema der Sätze 6 und 7. Im feierlichen Magnificat, dem Lobgesang Mariens und traditionell Höhepunkt der Vesper, wird wieder der lateinische Hauptsatz mit den deutschen Versen kombiniert. Damit verbindet sich dieser Satz mit seinem morgendlichen Gegenstück, dem Benedictus. Im Magnificat treten die Trompeten konzertant dem Chor gegenüber, der gewinnt seinen besonderen Reiz aus dem Wechsel zwischen beinahe gregorianisch anmutender Einstimmigkeit und kraftvollen mehrstimmigen Passagen.

Das bekannte Abendgebet Bleib bei uns (…denn es will Abend werden) bildet die Textgrundlage für den Kanon Nr. 7, der auch den Gesang der Gemeinde mit einbezieht.

Abschließend wird der eröffnende und lobpreisende Chor wiederholt, symbolisch für den Beschluss des Tages, der gleichzeitig den Beginn eines neuen darstellt.

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