ich rede wie ich kann…

Klangraum Baltikum
Musik für Chor, Orgel und Saxophon

Lange Zeit war das Baltikum abgeschnitten von den Entwicklungen des Westens und so waren die baltischen Komponisten gezwungen, bei der Suche nach Neuem ganz eigene Lösungen zu finden. Dadurch erhält die Musik aber ihren besonderen Reiz, in ihr begegnet uns immer wieder eine verblüffende und überzeugende Synthese zwischen Tradition und Moderne. Ihre Moderne unterscheidet sich allerdings von dem, was wir unter Avantgarde verstehen. Die baltische Musik wird von ganz anderen Wurzeln gespeist, beispielsweise von tiefer Religiosität und einer innigen Verbindung zur menschlichen Stimme und zum Singen.

Mein Vater war ein fantastischer Pastor, der flammende Botschaften an die Gemeinde gerichtet hat. Ich denke, ich mache dasselbe, nur in Form von Musik, so klar formuliert es der lettische Komponist Pēteris Vasks. Dabei ist ihm die Konfession unwichtig, für ihn ist Glaube eine universelle Kategorie. In Litauen dominiert vor allem die katholische Kirche, in Estland gibt es eine eher evangelisch-lutherische Tradition, während in Lettland neben diesen beiden auch die orthodoxe Kirche vertreten ist. Die musikalische Verbindung zwischen allen dreien ist die Chormusik. So lässt gerade sie sich als Gebetsraum erleben, und oft genug beschreibt das Bild von der lichten Stille genau das Herz dieser Musik.

Nicht von ungefähr sagt die russische Komponistin Sofia Gubaidulina, dass es keinerlei äußerliche, technische Vermittler zwischen dem Menschen und Gott gebe, nur deine Stimme und eine Kerze in der Hand. Und ihre lettische Kollegin Ilze Arne bekennt, dass sie keine Angst vor (im avantgardistischen Westen verpönten) Melodien habe, schließlich seien sie doch die Seele der Musik.

Bereits diese wenigen Andeutungen und Zitate zeigen, dass die Musik der baltischen Staaten nur aus ihrer eigenen Geschichte mit ihren Traditionen zu verstehen ist.
Worte des litauischen Lyrikers Eugenijus Ališanka, die dem Programm seinen Namen gaben, mögen dies noch einmal unterstreichen: ich rede wie ich kann / mit einem menschen so / und anders mit einem stein / das ist nicht literatur heißt es […] kaum änderst du den stil / schon werfen sie dich aus der bar / aus dem flugzeug aus dem zug / ich komme zu fuß zurück.

Programm (pdf)

Konzertplakat (pdf)